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JR

Leseprobe Nr. 3

... Und ich stand da. Der Funker hatte keine Touren mehr. Ich richtete mich gerade drauf ein, nach Hause zu fahren, da sauste etwas Rundes flatternd von der U-Bahn-Brücke runter auf die Parkplatz-Auffahrt und blieb da unten liegen. Eine der dreckigen Hamburger Tauben. Sie war wohl von einer U-Bahn erwischt worden. Ihr fehlten die Füße. Sie versuchte, sich auf dem Boden mit Hilfe der Flügel fortzubewegen, schaffte aber nur wenige Zentimeter. Ihre Beinstümpfe waren blutig.

Ein PKW kam langsam angerollt. Genau auf die Parkplatzauffahrt zu, auf der die Taube lag. Direkt drei Meter vor mir. Es war ein gepflegter Audi 100 mit korrekt eingestellten Scheinwerfern, geputzten Rückspiegeln und gültiger TÜV-Marke. Der Fahrer drinnen trug ein weißes Hemd, Krawatte und war akkurat frisiert. Er träumte wahrscheinlich gerade von einem dreizehnjährigen Mädchen, das ihm Schweinereien ins Ohr flüsterte. Sein Mund stand jedenfalls leicht offen, während er angestrengt versuchte, rechts und links was zu erkennen, um sich einen Parkplatz auszusuchen, in den er todesmutig hineinrollen würde. Seine Konzentrations-möglichkeiten waren voll ausgeschöpft.

Sein rechter Vorderreifen rollte genau auf die Taube zu. Die konnte es nicht fassen und glaubte wohl genau wie ich daran, daß ein so integerer Mensch aus dem kaufmännischen Milieu zum guten Schluß doch noch die Kurve kriegen würde. Noch vierzig Zentimeter bis zur Taube. Die reckte ihren Körper nochmal mit den Flügeln hoch und starrte das Auto an. Eine letzte Anstrengung...

Der rechte Vorderreifen überrollte sie. Sie wurde zermalmt und die Flügel standen währenddessen rechts und links vom Reifen in die Luft. Der Mund des Fahrers stand nach wie vor leicht offen. Wegen der Konzentration bei der Parkplatzsuche. Er kämpfte seinen Lebenskampf unter erschwerten Bedingungen. Schließlich nieselte es. Die Frisur saß immer noch akkurat. Gleich würde er aus dem Audi 100 aussteigen und sich für einen guten Demokraten halten ...


Kommentar an:   J.Rieck
online seit 04.06.2005

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